Pfadfindersein – von Andreas Altmann

Ich wurde Pfadfinder: Ein Lichtblick. Der ideale Fluchtweg, um Vater zu entkommen. Zumindest zeitweise. In den Ferien fünfzig oder huntert Kilometer weit weg radeln und eine Woche lang nicht daran erinnert zu werden, dass man das Kainsmal “Versager” auf der Stirn trug. In Kohten schlafen und abends bei offenem Feuer “Wildgänse rauschen durch die Nacht” singen, mit dem Kompass Karten lesen lernen, Spuren identifizieren, Mutproben bestehen, um die Wette rnnen, um die Wette ein Fahrten-Tagebuch schreiben, einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, auf Bäume klettern, schnitzen, einen Wald-Abort anlegen, baden im Fluss, Freudenschreie, raufen, ringen, Messer werfen, eben das wunderbare Kindergefühl: zu spielen. Und kein Erziehungsberechtigter weit und breit. Nur hilfsbereite 18-Jährige, die schon konnten, was wir noch nicht wussten. Und nie übergriffig wurden.

Aus der Autobiografie von Andreas Altmann, Reporter, Jahrgang 1949

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